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Frikadelle-am-Ohr.de Foren-Übersicht -> Fettes Brot On The Road -> Fernsehen / Radio / Presse -> Thema: Lyrik goes Hip Hop

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Kira
Marktschreier

Alter: 36

Kira befindet sich auf einem aufsteigenden Ast
Anmeldungsdatum: 18.10.2004
Beiträge: 142
Wohnort: Hagen
offline

BeitragVerfasst am: 18.07.2005, 19:27    Titel: Lyrik goes Hip Hop Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ein netter Text - wie ich finde - über die Texte der Brote. Sorry, wenn er hier schon irgentwo gepostet ist (dann bitte wieder löschen!).
Hier der Ausschnitt, der sich auf die Brote bezieht:

Zitat:
Was für mich musikalisch fast der größte Nachteil an Hip-Hop ist
("hört sich [musikalisch] alles gleich an")
ist aber vielleicht auch sein größter Vorteil: die absolute Dominanz des Sprechgesangs, also eben der Lyrik: während in anderer Popmusik der Text oftmals nur beliebiges Transportmittel des Instruments "menschliche Stimme" ist, haben die Hip-Hoper eindeutig was zu sagen!

Soweit ich überhaupt einen ersten Einblick in Hip-Hop gewonnen habe, scheint mir da also - im Hinblick auf Lyrik - erheblich mehr los zu sein als das ewige "Reim´ dich oder ich fress´ dich" und Rumgehüpfe auf Jamben in der sonstigen Popmusik.

Sondern
(intelligenter) Hip-Hop geht kreativ mit lyrischen Elementen um, d.h. nutzt sie, aber folgt ihnen nicht sklavisch (sondern überspielt Unstimmigkeiten).

Ein einziges Beispiel, nämlich

(gleich zwei Ergänzungen:
1. Keiine Ahnung, ob die Band "Fettes Brot" in den Ohren der inquisitorischen Hip-Hop-Experten "richtigen" Hip-Hop macht. Ich ahne schon die tödlichen Einwände:

1. "zu kommerziell!"
2. "nur richtige Neger können richtigen Hip-Hop machen: weil sie einfach noch aus dem Kral den Rhythmus im Blut haben; und weil sie unterdrückt genug sind."

2. Ich habe irgendwo im Internet gelesen, die "Rechtebesitzer" hätten jegliche Veröffentlichung von Fettes-Brot-Texten im Internet verboten. Sollten die Jungs von "Fettes Brot" selbst derart humorlos sein?

[Heutzutage gibt´s aber auf wirklich alles ein Copyright, und der Rest ist "registered trademark" (Markenartikel): eine äußerst strenge (rein finanziell begründete) Auslegung des "geistigen Eigentums", die jegliche geistige Auseinandersetzung und sogar Reklame für gute Ideen unmöglich zu machen droht.]

Ich werde also im Folgenden leider nur einige wenige Auszüge des Textes "Definition von Fett" behandeln dürfen - und mir Musikbeispiele dafür, wie der Text dann rhythmisch intoniert wird [und das ja erst macht den "richtigen" Hip-Hop], völlig sparen müssen.

(...)

Vorweg: das Lied "Definition von Fett" handelt
(das muss man aber vermutlich nur Erwachsenen erklären)
nicht von "fetten" (im Sinne von "übermäßig dicken") Menschen bzw. genauer gegen sie
(was ja auch arg billig wäre),

sondern - das ist ja gerade der Gag - "fett" ist rundweg positiv gemeint:

"Fett ist alles, was dich anmacht, fett ist auch die Sonne, die dich samstagsmorgens anlacht. Fett ist deine Lieblingsplatte und fett war auch der Spaß, den ich auf der Party hatte. [...] unser fetter Sound wird dir die Ohren wegreißen. Fettes Brot ist fett, denn Fettes Brot macht Spaß. Fett ist unser Rhythmus und fett ist auch der Bass. Fett, das heißt nicht matschig und glipschig; mit fett mein' ich cool, geil, bombastisch und witzig."

Gewählt habe ich das Lied "Definition von Fett", weil die Band "Fettes Brot" da nicht nur ihren Bandnamen begründet

(überhaupt sprechen Hip-Hoper - wirklich ungewöhnlich in der Popmusik - oft ausdrücklich von sich selbst
[wenn auch "gebrochen" durch Pseudonyme; vgl. unten "König Boris", also das Pseudonym des Sängers Björn Warns],

also
[häufig selbstironisch: "Wenn du fett bist, kannst du auch über dich selbst lachen"]

"authentisch"),

sondern auch explizit auf ihre Lyrik eingeht:

"Ich schmetter' keine Metaphern wie ein singender Simmel,
Doch [?] reim' ich auch nicht rein ins deutsche Laberkopfgewimmel."

In der Tat fehlt den meisten (mir bekannten) Hip-Hop-Texten jene Metaphernschwere (Verblümtheit, triefende "Tiefe"), die Lyrik ja manchmal so ungenießbar macht: (deutscher) Hip-Hop ist wie Udo Lindenbergs Texte: umgangssprachlich, also leicht zugänglich (ohne nichtssagend zu sein).

Und obwohl der Text "Definition von Fett" sich andauernd reimt, verwahrt sich die Band doch gegen ein Reimen in anderem Sinne: dass sich inhaltlich alles reimt, also nur noch Gelaber ist.

Wir sind aber schon (unbemerkt?) mitten drin in viel "Lyrischerem":

* mit "singender Simmel" haben wir auch schon die erste Alliteration,
* und bei "Doch reim' ich auch nicht rein" haben wir schon den ersten Binnenreim.

Der Gesamttext, der trotz Verbot natürlich massenhaft im Internet aufzutreiben ist, wird da meist in Prosaform (Blocksatz ) abgedruckt

(... und, da schnell gesprochener Hip-Hop oftmals schwer zu verstehen ist, oftmals auch falsch).

Dafür mag es zwei Gründe geben:

1. Was so offensichtlich Lyrik ist, will es doch nicht sein, sei´s aus understatement, sei´s, weil "Lyrik" so einen schlechten (romantisch-kitschigen) Beigeschmack hat.

2. Eins der zentralen Kriterien von Lyrik, nämlich der Zeilenbruch (linksbündiger "Flattersatz" ), ist in der Tat bei dem Text "Definition von Fett" gar nicht so eindeutig festlegbar: es ist oftmals unklar, ob etwas "nur" Binnenreim

(vgl. etwa "Noch viel krasser: Wasser macht alles nasser")

oder schon "richtiger" Endreim ist

(und ob somit ein Schweif- oder doppelter Paarreim vorliegt):

die Jungs von "Fettes Brot" sind sprachlich viel zu raffiniert, als dass sie sich dem Diktat eines ewig gleichen Reimschemas unterwerfen; sondern sie reichern es an, variieren es - und verzichten auch mal auf Reime, bevor sie nach dem Motto "reim' dich, oder ich fress' dich" durchreimen.

(Nebenbei: ob etwas Binnen- oder Endreim ist, wird oftmals erst durch den fließenden Sprachrhythmus klar; aber auch der stockt ja manchmal, wird also auch nicht ewig gleich durchgezogen.

Bzw. manchmal passen die Wortbetonungen nicht in den durchgehenden Sprachrhythmus - und werden die Worte dann einfach dem Rhythmus zuliebe verschliffen.)

Vor allem aber hat Hip-Hop endlich wieder unbändigen Spaß am Sprachmaterial (um seiner selbst willen), klingeln also andauernd Sprachspiele (bis hin zum Kalauer):

das Schönste am Wort "fett" ist doch sein breitärschig-zufriedener Klang:


fätttt
lol.gif Habe die wichtigsten Stellen mal fett markiert.
So einen Deutschlehrer hätte ich mir in meiner Schulzeit gewünscht, Fettes Brot hören und dann offiziell feststellen, wie gut ihre Songs doch sind biggrin.gif

http://www.stauff.de/grundkursdeutsch/dateien/lyrikgoeshiphop/lyrikgoeshiphop.htm
_________________
"Wann habt ihr das letzte mal Drogen konsumiert?"
"Gestern."
"Und das waren welche?"
"JA, das waren welche!!" smile.gif





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Spiderwoman
Moderatorin

Alter: 35

Spiderwoman ist auf einem guten Weg
Anmeldungsdatum: 20.12.2004
Beiträge: 1198
Wohnort: Nähe Nbg.
offline

BeitragVerfasst am: 18.07.2005, 21:30    Titel: Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Herrlisch... lol.gif
Danke Kira!
Sehr erfrischender Schreibstil! Zuerst die Brote-Texte auf Stilmittel und Schweif-, Binnen-, End- und doppelte Paar-Reime hin untersuchen und dann: "sein breitärschig zufriedenener Klang". biggrin2.gif

Dufte finde ich auch die "Baseballmützen"-Stelle:

Zitat:
Immerhin interessant finde ich, dass Hip-Hop keineswegs (wie ich früher gedacht hätte) eine Eintagsfliege geblieben ist, sondern in den USA seit den 80er Jahren grassiert, in Deutschland (und in deutscher Sprache!) aber auch schon einige Jährchen alt ist

(es ist wie mit den Baseballmützen, die ich doch immer für eine kurzfristige, bald ausgestandene Verwirrung gehalten hätte

[wieso trägt man überhaupt Mützen, wenn´s nicht kalt ist bzw. man noch keine Glatze hat? - das erscheint mir ebenso widersinnig und affektiert wie das Tragen von Sonnenbrillen, wenn die Sonne gar nicht scheint]

und nach wie vor als Kopfverschandelung empfinde, und zwar insbesondere, wenn sie nach hinten gedreht sind, so dass ich versucht bin, den Kopf des armen Verwirrten wieder richtig rum zu schrauben: inzwischen werden sie sogar von Rentnern getragen).

emotlol_2.gif

Amüsierte Grüße,
das Spinnchen
_________________
In der Not ist FETTES BROT dein Rettungsboot!





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